DIE KRIEGER DES LICHTS

Es war einmal ein Land, das war geteilt in Hell und Dunkel. Auf der einen Seite standen die Bewahrer des Lichts, auf der anderen die Verteidiger des Schattens. Jahrzehntelang verteidigte die eine ebenso wie die andere Seite ihre Prinzipien, ihre Auffassung von Demokratie und einiges mehr. Eine Seite beschützte seine Bürger zusätzlich durch einen selbsterrichteten Helligkeitsschutzwall, damit das böse, böse Licht nicht über die armen unschuldigen Schattengewächse herfallen, sie nicht mit dem Helligkeitswahn infizieren kann und damit die Schattenbürger ihr friedliches, zufriedenes Leben in der Isolation genießen konnten.

Hin und wieder gab es kleinere Geplänkel, wobei einigen auch das Licht ausgeknipst wurde. Aber es waren hauptsächlich die Leute der dunklen Seite, die den Helligkeitsschutzwall, ihren eigenen Helligkeitsschutzwall (!), immer und immer wieder überwanden und in das helle Licht blickten. Obwohl der Häuptling der Dunklen Seite seine Bürger ausdrücklich auf die Gefahren der Helligkeit hinwies, abschreckende Bilder verteilen ließ und ausschließlich sich selbst der Gefahr der Helligkeit bei seinen zahlreichen Besuchen in der BRL (Bundesrepublik Lichtland) aussetzte.

Doch irgendwann hatten die blaßhäutigen Bewohner der SDR (Schatten- Demokratische Republik) einen so großen Neid auf die, von zart Rosa-, über leicht gebräunt- bis hin zu Dunkel-Schwarz-Braun-Häutigen, daß sie anfingen zu demonstrieren. Das gefiel natürlich dem Obersten Büro für Innerschattige Dunkelheiten nicht, woraufhin diese dann auch Dunkle Divisionen auf die Protestanten schickten. Aber die Flamme der inneren Helligkeit war schon von einigen Wenigen auf mehrere Viele rübergehüppt und so konnte der Fall der Dunkelheit kaum noch aufgehalten werden. Noch in der selben Nacht machten sich die SDR-Bewohner am Helligkeitsschutzwall zu schaffen. Da merkte nun auch der Häuptling der dunklen Seite, daß es doch kein Scherz mehr war und hetzte nun seine gefürchtete Elitetruppe, die Schwarzen Sheriffs, auf das rebellende Volk.

Auch in der hellen Welt merkte man, daß etwas Sonderbares vorging und setzte seine beliebte Elitetruppe, die Krieger des Lichts, in Richtung Helligkeitsschutzwall in Marsch.

Die ersten Geschöpfe der Dunkelheit erkletterten den Schutzwall und wurden hinterrücks von den Schwarzen Sheriffs bedrängt, als die Krieger des Lichts am Ort des Geschehens eintrafen. Todesmutig bekämpften die Krieger des Lichts jeden Übergriff der Schwarzen Sheriffs und brachten nebenbei noch die Dunkelleute auf die gute, helle Seite, wo diese in Sicherheit waren. In einer sechs Tage und fünf Nächte dauernden Schlacht gingen die heldenhaften Krieger des Lichts schließlich als die einzig wahren Sieger hervor. Das mißfiel zwar einigen Schattenprotestanten, aber auf die wurde nicht lange gehört, denn pünktlich zum Fall des Helligkeitsschutzwalles erschien der Bundeslichtkanzler und ließ sich und seine Heldentat feiern. Das mißfiel jetzt aber den Kriegern des Lichts, denn was hat so ein Politiker schon tolles gemacht? Eben.

So kam es, daß die Krieger des Lichts aufmucken wollten, aber sofort an die nächste Grenze geschickt wurden. Denn dort setzte mit einem mal starker Pollenflug ein, was jetzt gewissen Politikern mißfiel.

Aber das vereinigte Hell & Dunkelland erblühte förmlich unter der Wende! Jedenfalls die ersten beiden Jahre, denn danach hatte sich die Ex-Lichtland-Industrie gesund gewirtschaftet und ihnen war nun egal, was mit den Ex-SDR-Typen und Typinnen passierte. Diese schlitterten in eine unangenehme Wirtschaftskrise und wurden alle arbeitslos.
Alle? Nein, ein kleines Dorf in Mecklenburg-Vorpommern arbeitete in einem ungebremsten Aufschwung. Nun, das ist eine andere Geschichte.