NUMMERISMUS

»Schau nicht hin, da kommt die Eins.«

»Widerlich! So einen Anblick sollte man uns ersparen.«

»So dürr wie die ist, wundert’s mich, daß sie noch nicht in die nächste Lücke gefallen ist.«

»Ach was, da kommt die sowieso nie hin. Eher durch Zufall, als mit Absicht.«

»Trotzdem wird sie oft benutzt. Man denke da nur an das Binärium, lauter Einsen und ein paar Nullen. Die Nullen können einem leid tun, daß sie sich mit sowas abgeben müssen.«

»Sei froh, daß wir statt im Binärium, im Dezimalum leben! Es geht doch nichts über eine attraktive Zwei, mit ihren lasziven Kurven.«

»Ja, es ist schon merkwürdig, das ausgerechnet das steilste Wesen, daß Matheomat errechnete, aus einem addierten Paar Einser hervorgegangen sein soll.«

»Die Evolution ist schon seltsam, denn wie mag wohl die Sieben entstanden sein? Man munkelt etwas von Fünf und Zwei, aber auch von Drei und Vier.«

»Ich würde auf die Vier tippen, die hat auch so viele gerade Striche. Da wollte sich Matheomat einen Scherz erlauben und sagte sich: Ach mal gucken was passiert, wenn ich die Vier mit der Eins zusammentue. Er hat sich bestimmt halb kaputt gelacht, als er dann die Sieben vor sich hatte, für ‘ne Vier zu wenig, für ‘ne Eins zuviel.«

»Da wäre sogar noch eine Möglichkeit.«

»Welche meinst du?«

»Eine Neun, von der sich eine Zwei trennt …«

»Das ist unerhört! Meine Ehe ist bestens in Ordnung! Ich laß mir auch von dir da nichts reinreden. Und unser Kind wird bestimmt keine Sieben, wär ja noch schöner! Eine Frechheit von dir, sowas zu behaupten!«

»Entschuldige, es war nur eine weitere Möglichkeit. Ich meinte nicht dich damit.«

»OK, vergessen wir’s. Aber sag’ mal, wie läuft’s denn mit deiner Zwei?«

»Wir sind in freudiger Erwartung! Ich hoffe, daß es eine stramme Sechs wird.«

»Eine stolzere Acht als dich wird man dann wohl kaum finden.«

»Ja!«

»Du Glücklicher. Bei meinen Nachbarn, zwei Dreien, gab’s eine Multiplition. Jetzt haben sie zwei Neunen die hungrigen Mäuler zu stopfen.«

»Ja, ja, Multiplitionen sind recht unangenehm. Doch schlimmer finde ich eine Divison. Da hat man Spaß miteinander und nach Monaten der Spannung bekommt man dann eine Vier, oder noch schlimmer, eine Eins.«

»Warum tut denn keiner was gegen diese Einsen? Man sollte sie einliefern und zwangsnachrechnen, bis sie eine einigermaßen vernünftige Zahl sind. Oder besser, in einen abgetrennten Teil sperren und da nicht mehr rauslassen.«

»Es ist schon seltsam, wir sind die mit am höchsten entwickelten Geschöpfe, die Intelligenz aller Zahlen vereint sich in uns, wir sind die komplexesten Rechnungswesen und die Zweien stehen auf uns, aber trotzdem können wir nichts gegen die unterentwickelten, primitiven Einsen machen! Warum nur…?«